Endstation Abstellgleis

Die Einstellung der dieselbetriebenen Bahnstrecke Gänserndorf – Obersdorf hat in den letzten Wochen für zahlreiche Schlagzeilen gesorgt. Ganz gleich, welche Argumente von Befürwortern und Gegnern dieser Entscheidung eingebracht werden, einen Wendepunkt wird es nicht geben. Mit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember 2019 ist dieser Streckenabschnitt ein Teil der österreichischen Eisenbahngeschichte.

Wir haben eine letzte Chance genützt, um die Fahrt aus der Führerstandsperspektive aufzuzeichnen.

Seit bekannt werden dieser weitreichenden Entscheidung sind besonders an den Wochenenden zahlreiche Eisenbahnfans entlang der Strecke zu sehen, die auf der Suche nach der besten Perspektive sind. Auch an diesem sonnigen Mittwoch im Dezember sind wehmütige Fans im Zug und auf den Feldern anzutreffen, die ihren persönlichen Erinnerungsmoment festhalten möchten.
Aber auch auf dem Führerstand ist Melancholie zu spüren, wenn der Lokführer im Stillen bereits überlegt, wie viele Fahrten es für ihn hier noch sein werden.

Die errechneten Investitionskosten machen eine Weiterführung unrentabel, wenn die prognostizierten Fahrgastzahlen bei der Einschätzung mitberücksichtigt werden – so lautet das Argument. Ein kaufmännisch plausibler Gedankenansatz um die Sinnhaftigkeit einer Millioneninvestition zu hinterfragen. Vor allem wenn es um Steuergelder geht. Auf der anderen Seite ist zu hören, dass diese Bahnstrecke sukzessive auf das Abstellgleis geführt wurde, da notwendige Sanierungen auf die lange Bank geschoben wurden.
Ein Alternativkonzept durch den Einsatz einer Busverbindung ist bereits umgesetzt und wird in manchen Bereichen noch erweitert. Welche Veränderung es durch die Einstellung dieser Bahnstrecke für die Menschen in dieser Region bringt, wird sich erst zeigen. In jedem Fall hoffen die Befürworter der Bahn auf eine Wiederaufnahme des Fahrbetriebs durch einen anderen Betreiber.

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