Prof. Fritz Zeichnung Saalfeld 20171010 165752b2Kontrast 1400x615 - Plandampf bei der Deutschen Reichsbahn

Plandampf bei der Deutschen Reichsbahn

Die Zeit der Dampftraktion war eine einzigartige Epoche in der Geschichte der Eisenbahn. Als die ersten selbstfahrenden, maschinell betriebenen Schienenfahrzeuge dominierten die Dampfloks den Schienenverkehr von ihrer Entstehung an bis in die 1950er-Jahre hinein. Außerdem spielten sie eine Schlüsselrolle in der darauf folgenden rasanten Entwicklung der Transporttechnik sowie des Handels im nationalen und internationalen Raum. Mit dem Aufkommen fortschrittlicherer Antriebstechnologien wurden die Dampfloks aufgrund ihrer Ineffizienz wie auch des hohen Wartungs-, Bedingungs- und Reparaturaufwands allmählich durch Elektrotrieb- sowie Dieselfahrzeuge ersetzt. Seit den 70er-Jahren gilt der Neubau von Dampflokomotiven als eine Rarität.

Saalfeld BW 8.5.1981 - Foto: Prof. Fritz

Als der Regeldampf in der DDR der 80er-Jahre auf das Ende zusteuerte, hatte sich im Rahmen der Eisenbahntraditionspflege ein bemerkenswerter Lokpark inklusive Wagenmaterial angesammelt. Bahnbetriebswerke waren bestrebt, diese Fahrzeuge neben dem offiziellen Einsatz bei Sonderfahrten auch für fahrplanmäßige Züge einzusetzen. Damit war der sogenannte „Plandampf“ geboren.
Die dafür benötigte Dampflokinfrastruktur wie zum Beispiel Drehscheiben, Wasserkräne oder Bekohlungsanlagen war vor allem in Ostdeutschland zu finden. Beeindruckende Ausfahrten gab es für die Dampflokfans zu bestaunen und es kam zu einem regelrechten Plandampf-Boom. Die Veranstaltungen wurden nach dem Solidarprinzip von den Teilnehmern finanziert und entwickelten sich schon bald auch für Eisenbahnvereine und Eisenbahnfreunde zu einer festen Institution. Vor allem Thüringen stand mit seinen landschaftlich reizvollen und steigungsreichen Mittelgebirgsbahnen im Fokus. So wurde der herbstliche Treff im Schatten der Wartburg zur Selbstverständlichkeit.

Doch mit der Zeit veränderte sich auch die Landschaft zwischen Saale und Werra. Um dem Qualitätsanspruch authentischer Züge weiterhin genügen zu können, wurden Ost- und Südosteuropa als Zielgebiete erschlossen. Dort sind Eisenbahn, Personal wie auch das Ambiente vielerorts noch so wie zum Ende der Dampflokepoche – das Leben hat dort eben ein anderes Tempo und setzt andere Prioritäten.

Heutzutage sind derartige Veranstaltungen in Mitteleuropa leider schon selten geworden. Zum einen geht bei Streckenmodernisierungen laufend die für den Dampfbetrieb notwendige Infrastruktur verloren. Zum anderen sind durch die Modernisierungsmaßnahmen höhere Fahrgeschwindigkeiten möglich – der Fahrplan ist entsprechend danach ausgelegt. Für Dampflokomotiven ist es nicht möglich, diese Fahrzeiten einzuhalten.

Einfahrtsbogen Saalfeld - Foto: Prof. Fritz
Saalfeld 10.5.1081_GÜTERZUGGLEISFELD - Foto: Prof. Fritz

Damit gewinnen Filmaufnahmen aus der Dampflokära zunehmend an Bedeutung, denn es sind unwiederbringliche Momente, die damit für die Nachwelt erhalten geblieben sind. Die Leidenschaft für die Eisenbahn wurde OStR Prof. Wolfgang Fritz schon von seinem Vater mitgegeben. Gemeinsam haben sie unzählige Reichsbahndampflokreihen im Alltagsdampfbetrieb der DDR in den frühen Achzigerjahren, sowie bei Plandampfveranstaltungen nach der Wende aufgezeichnet. Spannende Eindrücke, wie zum Beispiel vom Führerstand der 01 531, wo man dem Heizer über die Schulter blicken kann, wie er Kohle in das unersättliche Feuerloch schaufelt gehören ebenso dazu, wie informative Interviews mit fachkundigen Eisenbahnern.

Saalfeld 8.5.1981 - Foto: Prof. Fritz

Die kostbaren Filme wurden mit einer völlig revolutionierten Technik neu abgetastet und von Herr OStR Prof. Wolfgang Fritz in monatelanger Arbeit komplett neu überarbeitet. Szene für Szene wurde das Material unter dem kritischen Auge ausgetauscht. Alles Störende konnte beseitigt und die Schärfe hervorgehoben werden. Die Aufnahmen bestechen durch absolut ruhigen Bildstand, fast komplett eliminiertes Filmkorn und dafür glasklare Flächen und eine Auflösung, die an HD-Video heranreicht. Er selbst ist überglücklich, endlich behaupten zu können, dass er sich sein (fast-) Lebenswerk, nämlich die Dampflokzeit möglichst lebendig und echt zu verewigen, erfüllt hat:

„Ich war absolut begeistert: Endlich sind meine Dampflokerinnerungen an die Zeit der Deutschen Reichsbahn auch in sehr guter Filmqualität festgehalten. Warum mir dies so viel bedeutet und ich mich so sehr für die Deutsche Reichsbahn interessiert habe:Eines Tages im Jahr 1977 hielt ich einen Bericht der Zeitschrift „eisenbahn magazin“ in Händen über noch vorhandenen Alltagsdampfbetrieb im Raum Saalfeld/Saale. Ich sah sofort meine Chance gekommen, doch noch echten Dampfbetrieb mit zahlreichen dampfenden Maschinen verschiedener Baureihen vor unterschiedlichen Zügen, großen Bahnhöfen etc. zu erleben, die mir auf Grund meines um Dampfloks zu erleben eigentlich bereits zu späten Geburtsjahres in meinem schon längst elektrifizierten Heimatland Tirol verwehrt geblieben war.

Leipzig 7.8.1981 - Foto: Prof. Fritz
Saalfeld Brücke 6.8.1981 - Foto: Prof. Fritz
Zeichnung Saalfeld von Prof. Fritz
Modellbahn mit Familie - Foto: Prof. Fritz

Trotz mancher Mühen und der Unsicherheit, in einem sozialistischen Land Eisenbahn zu fotografieren und zu filmen, gelang es, auf mehreren Reisen mit meinem Vater sowie meinem Freund und später nach dem Fall der Berliner Mauer noch mit meiner Frau und meinem Sohn unwiederbringbare Szenen von Dampfloks der Deutschen Reichsbahn nach Hause zu bringen.
Damit aber noch nicht genug: Vom Plandampfbetrieb begeistert, fertigte ich auch eine Zeichnung von der berühmtesten Stelle Saalfelds aus: der Straßenbrücke neben dem Bahnbetriebswerk, und ich entschloss mich auch, eine Modelleisenbahn zu bauen.

Das Thema ist, wie nicht anders zu erwarten, natürlich „Saalfeld“ und seine umliegenden Strecken. Die 12 Quadratmeter große Anlage in anderthalb Räumen begann ich im Jahr 2000, und ihre erste Ausbaustufe kommt sogar auch kurz in meinem Film vor. Jetzt, nach über 2000 Arbeitsstunden ist die Feingestaltung an der Reihe, nämlich der Landschaftsbau. Auch hier sind mir die Reichsbahnstrecken Vorbild, und ich versuche auch hier, möglichst getreu dem großen Vorbild vorzugehen. Die mit echtem Schotter eingeschotterten Gleise habe ich sogar mit den Schottersenken in der Gleismitte für den Streckenbegeher ausgestaltet und die Gleise in der Mitte mit Kalkspuren (herrührend vom Mittelzylinder der Baureihe 44) versehen.“

Die informative und hochwertige Produktion (bisher verkauft als „Volldampf bei der Reichsbahn Teil 2+3) ist als technisch überarbeitete und ergänzte Neuauflage unter dem Titel „Plandampf bei der Deutschen Reichsbahn“ als DVD und Blu-ray ab 15. Mai 2021 erhältlich. Folgende Plandampfszenen sind zu sehen:

# Dresden – Oberlausitz
# Saalfeld – Leipizig (inkl. Super 8 Szenen aus der DDR-Zeit von 1980/81
# Sonneberg – Saalfeld (inkl. Winterdampfszenen im Thüringer Wald)
# Erfurt – Breba
und als Bonus unkommentierter Plandampf aus Werra und Zeitz sowie eine Bildergalerie
Eine Zeitreise der besonderen Art. Steigen Sie ein und fahren Sie mit!

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