Eisenbahn in der rumänischen Landschaft

Auf den Schienen des Doppeladlers

Die Geschichte der Eisenbahn ist ein vielschichtiges Thema, das schon in unterschiedlichen Varianten erzählt wurde und dabei niemals an Faszination eingebüßt hat. Mit der Dokumentationsreihe „Auf den Schienen des Doppeladlers“ taucht man tief in die Geschehnisse in der Zeit der österreichisch-ungarischen Monarchie ein und begibt sich auf eine Reise von Galizien nach Triest, vom Arlberg bis ins Banater Bergland. Gernot Stadler und Bjön Kölz erzählen mit einem unverklärten Blick welche gesellschaftlichen Änderungen und politischen Möglichkeiten durch den Bau der Eisenbahn geschaffen wurden.

Foto: Gernot Stadler

Mehr als 170 Jahre nach der Eröffnung des ersten Streckenabschnittes auf österreichischem Boden hat die Eisenbahn nichts von ihrer Faszination verloren. Die Eisenbahn ist ein Erlebnis, eine Epoche und ein Phänomen, vor allem aber ist sie – Alltag. Wenn sie ihre Vormachtstellung auch längst an das Automobil abgeben musste, zählt sie heute noch immer als wesentlicher Faktor für Mobilität. Jenseits des alltäglichen Gebrauchs ist das Thema Eisenbahn für Millionen Menschen auf der Welt Passion und Leidenschaft geworden. Unzählige Vereine und Museen in Österreich und dem Rest der Welt widmen sich dem Erhalt von historischen Dampflokomotiven, Bahnbauten und der Geschichte der Eisenbahn.

Es waren die Eisenbahnen, die das weite Reich mit Leben erfüllten, die Menschen und Waren zirkulieren ließen und die Eroberung von Landschaften im touristischen Sinne ermöglichten. In einem Großraum, der heute von mehr als einem Dutzend souveräner Staaten belegt wird, konnte sich der Reisende vor hundert Jahren ohne jegliche Einschränkung frei bewegen. Durch ihre grenzüberschreitende und völkerverbindende Funktion wurde die Eisenbahn auch zu einem Symbol für Freiheit und Einheit innerhalb der Österreichisch-Ungarischen Monarchie.

Im dritten Teil der Fernsehdokumentation „Auf den Schienen des Doppeladlers“ gehen die Zuseher mit auf eine Reise in die südwestlichen Kronländer des Habsburgerreiches. Mit der Kaiserin-Elisabeth-Bahn, der heutigen Westbahn, geht es nach Bad Ischl und ins Mühlviertel in Oberösterreich, von Innsbruck aus führt die Reise mit der Arlbergbahn nach Vorarlberg und mit der Brennerbahn nach Südtirol. Beleuchtet werden dabei die bautechnischen Meisterleistungen, die erbracht werden mußten, um die Alpen auf dem Weg nach Westen und Süden zu überwinden. Die Filmemacher verweilen aber auch in den einzelnen Regionen entlang der Reiseroute. In Ampflwang im oberösterreichschen Hausruckviertel lädt der Lokpark der Österreichischen Gesellschaft für Eisenbahngeschichte zu einem Besuch ein, in Kärnten steht eine Ausfahrt mit einer historischen Dampflok des Vereins Nostalgiebahnen in Kärnten auf dem Programm. Ein Besuch bei einer Sennerei im Bregenzerwald oder bei einem Weinbauern in Südtirol sind weitere Stationen dieser filmischen Eisenbahnreise.

Der vierte Teil der Dokumentations-Reihe befasst sich mit der bahntechnischen Erschließung des Alpenraums in der cisleithanischen Reichshälfte der Donaumonarchie. Im Jahre 1900 wurde in der Österreichisch-Ungarischen Monarchie ein riesiges Alpenbahn-Bauprogramm gestartet – die Transalpina. In diesem letzten großen Projekt der alten Monarchie wurde gleichzeitig die Errichtung mehrerer Bahnstrecken in Angriff genommen: die Pyhrnbahn, die Tauernbahn, die Karawankenbahn, die Wocheinerbahn und die Karstbahn.

Eisenbahnbrücke in Slowenien

So wie sich das Eisenbahnnetz in der ungarischen Reichshälfte von Budapest aus sternförmig verzweigte und in alle Himmelrichtungen führte, folgt auch die Dokumentation im fünften Teil den alten Bahnlinien nach Temesvar im heutigen Rumänien, zum „Banater Semmering“ mit seinen zahlreichen Brücken und Tunnels, zu den Waldbahnen im Südwesten Ungarns oder nach Kroatien, wo die sogenannte „ungarische Riviera“ Jahr für Jahr zahlreiche Adelige, Künstler und Bürger anlockte. Die Hafenstadt Fiume, das heutige Rijeka machte dem österreichischen Hafen Triest Konkurrenz und auch jetzt noch zeugen viele Gebäude in der Altstadt oder die alten Werftanlagen vom einstigen Glanz Rijekas zur Zeit der Habsburger.

„Auf den Schienen des Doppeladlers – Von der Puszta an die Adria“ ist eine filmische Reise durch die Zeiten und zu entlegenen Winkeln des einstigen Vielvölkerstaates Österreich-Ungarn, der bis zu seinem Untergang nicht zuletzt von seinem mehr als 46.000 Kilometer langen Eisenbahnnetz zusammengehalten wurde.

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